Neuer Webmaster wieder gesucht!

Liebe Schachfreunde,

Ende Juni 2018 gab ich mein Amt als Webmaster auf. Am 18.01.2019 teilte unser Vorsitzender Joachim Lischka mit, dass seine Tochter das gern übernehmen würde. Das hat sich anscheinend nicht bewahrheitet, laut Joachim sei ihr das alles zu viel ...

Damit die Homepage nicht brach liegt und mit zunehmender Zeit rasch veraltet, werde ich wieder eine "zeitlose" Seite - ohne Unterseiten, ohne Mitgliederbereich - einbauen. 

Gruß Willi

18.02.2019

Ihr Schachverein in Müllheim (Baden)

Ansprechpartner
Joachim Lischka Tel. 07621 1685703

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Braucht man für eine Schachpartie einen Schiedsrichter?
Jeder Gelegenheitsspieler würde bei dieser Frage zunächst nur abwinken. Aber schauen wir in die Turnierodnung des Badischen Schachverbandes, denn dort heißt es (A 3): Ist kein Schiedsrichter eingesetzt, so übernimmt eine von der Heimmannschaft vor Beginn des Kampfes bestimmte sachkundige Person die Wettkampfleitung und Schiedsrichterfunktion. Dies kann ein Spieler – z. B. der Mannschaftsführer – sein, besser ist es aber einer dritten Person die Schiedsrichteraufgaben und –rechte zu übertragen. Erfolgt keine Namensnennung, so gilt der Mannschaftsführer als bestimmt.

Die bestimmte Person bzw. der Mannschaftsführer als Schiedsrichter ist vor Spielbeginn bekanntzugeben und auf dem Spielbericht (auch Online) zu vermerken.
Ist der bestimmte Schiedsrichter (SR) gleichzeitig Spieler, so geht seine Inanspruchnahme nicht zu Lasten seiner Bedenkzeit. Er ist deshalb berechtigt, in solchen Fällen seine Uhr abzustellen. Ist der SR zum Zeitpunkt seiner Inanspruchnahme nicht selbst am Zug, so teilt er diese Inanspruchnahme seinem Gegner mit. Dieser stellt nach Ausführung seines Zuges beide Uhren ab, wenn der SR zu diesem Zeitpunkt noch seine Funktion ausübt. Sobald der SR wieder ans Brett kommt, setzt er seine eigene Uhr in Gang.

Dass demnach bei jeder Schachveranstaltung Schiedsrichter benannt werden müssen, wissen indes nur wenige. Sei es bei einem "offiziellen Zweikampf", einem Mannschaftswettkampf oder einem großen Turnier mit mehreren hundert Teilnehmern. Bei größeren Veranstaltungen werden entsprechend mehrere Schiedsrichter benötigt. Als Faustregel sollte bei einem Einzelwettbewerb pro 50 Spieler ein Schiedsrichter eingesetzt werden. In kritischen Phasen eines Wettkampfes, wenn z. B. an mehreren Brettern gleichzeitig Zeitnot aufkommt, darf der Schiedsrichter mehrere kompetente Hilfsschiedsrichter beauftragen, ihn zu unterstützen.

Beim Schach wird in der Regel keine Entscheidung getroffen, bevor nicht das Spiel unterbrochen wurde. Der Schiedsrichter hält hierzu die Uhren an und hat danach relativ viel Zeit, seine Entscheidung zu fällen. Es ist auch keine Seltenheit, dass es zu Diskussionen zwischen Schiedsrichter und den Spielern bzw. mit den Zuschauern kommt. Der Schiedsrichter hat dabei Gelegenheit, noch weitere Informationen über den Problemfall einzuholen. Und es spricht nichts dagegen, notfalls in den Regeln die Bestimmungen nachzulesen.

Umgekehrt kann auch ein Spieler das Spiel durch Anhalten der Uhr unterbrechen, wenn er der Meinung ist, dass sein Gegner eine Regelwidrigkeit begangen hat. In diesem Fall wird der Schiedsrichter hinzugeholt, der sich dann den Sachverhalt erklären lässt und danach seine Entscheidung fällt. Ferner kann ein Spieler die Uhr anhalten, wenn er beim Schiedsrichter einen Antrag entsprechend den Schachregeln stellen möchte. Hierzu gehört z. B. ein Antrag auf Remis aufgrund 3-facher Stellungswiederholung.

Der Verantwortungsbereich des Schiedsrichters erstreckt sich schon auf den Zeitraum vor dem eigentlichen Partiebeginn, bei größeren Open ist er z. B. für die Auslosung der Paarungen verantwortlich; er sorgt für gute Spielbedingungen und letztlich gibt er die Runde frei und startet gegebenenfalls die Uhren, falls die Spieler noch nicht anwesend sind. Nach dem Partiebeginn kann es der Schiedsrichter dann erstmal etwas ruhiger angehen lassen.

Während die Partien laufen, hat der Schiedsrichter für gute Spielbedingungen zu sorgen; im Schach bedeutet dies vor allem eine ruhige Spielatmosphäre. Er beaufsichtigt die Partien und hat für das Einhalten der Wettkampregeln zu sorgen. In Problemfällen wird von einem guten Schiedsrichter, neben den notwendigen Sachverständnis, ein gesundes Urteilsvermögen und absolute Objektivität verlangt.

Bei Verstößen gegen die Regeln stehen ihm dabei eine Vielzahl von Strafen zur Verfügung. Dies reicht von einer mündlichen Ermahnung, Zeitstrafen (Verkürzungen bzw. Verlängerungen der Bedenkzeit eines Spielers) bis hin zum Partieverlust. Im Extremfall kann der Schiedsrichter einen Spieler bei grob unsportlichen Vergehen, z. B. bei Betrugsversuchen, aus einem laufenden Wettkampf ausschließen.

Doch welches Vergehen führt dazu einen Spieler gleich mit Partieverlust zu bestrafen? Zum einen sind dies natürlich Betrugsfälle, wie die zu Hilfenahme von Schachliteratur oder eines Smartphones und ähnliches. Der Schiedsrichter kann eine Partie aber auch auf andere Art und Weise als verloren werten. Nämlich dann, wenn bei einem Spieler während der Partie das Handy klingelt.

Natürlich gab und gibt es auch beim Schach schon viele Fehl- bzw. umstrittene Entscheidungen durch Schiedsrichter, doch liegt dies in der Natur der Sache, da Entscheidungen durch Menschen gefällt werden und somit einer gewissen Subjektivität unterliegen. Sowohl beim Fußball als auch beim Schach muss ein Schiedsrichter souverän auftreten und zu seiner Entscheidung stehen. Dabei muss der Fußballschiedsrichter oftmals, insbesondere bei Entscheidungen gegen die Heimmannschaft, ein gellendes Pfeifkonzert ertragen. Zusätzlich kommt es dann oftmals noch zu Beschimpfungen durch die beteiligten Spieler. Seiner Objektivität darf dies keinen Abriss tun.

Das Pfeifkonzert der Zuschauer bleibt dem Schachschiedsrichter Gott-sei-Dank erspart. Aber häufig genug kommt es zu regen Diskussionen mit den beiden betroffenen Spielern, dem Einen ist das Strafmaß zu mild, dem Anderen ist es zu hart. Oft genug mischen sich dann herumstehende Mannschaftskameraden und Kiebitze in die Diskussionen mit ein. Wie beim Kollegen aus dem Fußball gilt es auch für den Schachschiedsrichter, ein Höchstmaß an Objektivität zu zeigen. In der Regel zeigen sich die Schachspieler auch relativ schnell einsichtig und akzeptieren die Entscheidungen des Schiedsrichters. Es gibt aber auch immer wieder Spieler, die wegen umstrittener Entscheidungen gegen sich aus einem laufenden Turnier aussteigen.

Der Grund für die Uneinsichtigkeit einiger weniger Spieler ist nicht selten eine gewisse Regelunkenntnis. Damit ist nicht etwa gemeint, dass sie nicht wissen, wie die Figuren ziehen. Die Spielregeln kennt (hoffentlich) jeder, aber bei den so genannten Turnierregeln sieht die Sache oft ganz anders aus. Auch wenn beim Schach der Schiedsrichter grundsätzlich genügend Zeit hat, mit den Spielern zu reden und seine Entscheidung zu begründen, seine Aufgabe ist es nicht, den Spielern Regelunterricht zu geben. Dennoch sollten die Fide-Regeln, die Turnier- und die Verfahrensordnung den Mannschaftsführern vorliegen, wenn sie Schiedsrichteraufgaben wahrnehmen.

Die FIDE-Schachregeln untergliedern sich in die Spielregeln und in die Turnier(wettkampf)regeln! Während die Spielregeln das Wesen des Schachspiels, sowie die Gangart der Figuren beschreiben, regeln die Turnierregeln das Schachspiel unter Wettkampfbedingungen. So wird unter anderen der Umgang mit der Schachuhr erläutert, wie die Züge aufzuzeichnen sind und wie lange die Aufzeichnungspflicht gilt, welche Vorraussetzungen zu erfüllen sind, um ein Remis zu beantragen und welches Strafmaß für bestimmte Vergehen zu verhängen sind.

Verhaltenshinweise für den Spielbeginn
Der Gast-Mannschaftsführer übergibt seine Mannschaftsaufstellung dem Heim-Mannschaftsführer und erhält im Gegenzug die Aufstellung der Heim-Mannschaft. Es wird von beiden die Vollständigkeit der Spieler, die strikte Reihenfolge gemäß der Rangliste einschließlich der Stammspielerregelung überprüft (darf bis Spielbeginn korrigiert werden). Sollten offensichtlich alle Spieler vor Ort sein, kann der Mannschaftskampf beginnen.

Bestehen Unklarheiten bezüglich der Vollständigkeit der Mannschaften, so ist deren Mannschaftsführer zu befragen. Dieser hat dann die Vollständigkeit seiner Mannschaft nachzuweisen und den Grund abwesender Spieler zu erläutern.

Eine nicht zulässige Antwort des Mannschaftsführers wäre: Der Spieler A ist noch unterwegs, muss aber spätestens in 5 Minuten da sein.

Eine zulässige Antwort lautet: Der Spieler B war schon da, ist aber gerade dabei, sein Handy in seinem Auto abzulegen.

Unrichtige Angaben des Mannschaftsführers gehen immer zu Lasten seiner Mannschaft!

Fehlt ein Spieler bei der Mannschaftsaufstellung, hat die betroffene Mannschaft zwei Optionen:

  1. Warten
    1. Gesamte Mannschaft muss warten
    2. Zeitabzug für alle Spieler der betr. Mannschaft
    3. Wartezeit höchstens 30 Minuten, dann aufrücken
  2. Aufrücken
    1. letztes Brett bleibt unbesetzt
    2. kein Nachnominieren eines Spielers

Möglich ist auch, die Mannschaft wartet zunächst und rückt dann auf!

Nochmals zur Klarstellung:
Der Sinn dieser Regel ist sicher zu stellen, dass kein vorderes Brett freibleibt.
Der Badische Schachverband hat für seine Ligen (Verbandsliga abwärts) eingeführt, dass bei Abgabe der Mannschaftsaufstellung alle zum Einsatz kommenden Spieler anwesend sein müssen.

Fehlt noch ein Spieler, so obliegt es dem Mannschaftsführer,

  1. entweder mit der Abgabe der Mannschaftsaufstellung zuzuwarten (bis zu 30 Minuten), mit der Folge, dass jeder Spieler der unpünktlichen Mannschaft mit Zeitstrafe (entsprechend der Verspätung der Abgabe der Mannschaftsaufstellung) leben muss, oder
  2. er gibt seine Mannschaftsaufstellung ab, mit der Folge, dass der nichtanwesende Spieler nicht aufgestellt werden darf. Dadurch ist auch unterbunden, dass das unsportliche Freilassen vorderer Bretter nicht mehr möglich ist, da die Mannschaft aufrücken muss.

Die entsprechenden Regeln der Turnierordnung zum Nachlesen:
H-2.5
Die Spiele beginnen am Sonntag um 10 Uhr, es sei denn, der Turnierleiter oder eine Bezirksturnierordnung bestimmt anderes.

Kann ein Kampf nicht planmäßig beginnen, so wird die schuldige Mannschaft an allen acht Brettern mit einem Zeitabschlag der gleichen Größe wie der verursachten Verzögerung belegt. Der Mannschaftskampf ist als Ganzes zu spielen, Vor- und Nachverlegungen einzelner Partien sind ausgeschlossen.

H-2.6
Eine Mannschaft besteht aus acht Spielern, die namentlich im Spielbericht genannt werden müssen.
Nicht anwesende Spieler dürfen nicht benannt werden. Ein Freilassen hinterer Bretter ohne Namensnennung ist zulässig.

H-2.6.3
Alle Spieler, die beim Wettkampf zum Einsatz kommen sollen, müssen bei der Abgabe der Mannschaftsaufstellung anwesend sein. Die Bretter sind von den anwesenden Spielern von Brett 1 ab durchgehend zu besetzen.

H-2.7.1
Eine Mannschaft kann antreten, wenn mindestens die Hälfte der Spieler nach der regulären Mannschaftsstärke aufgestellt wird und alle aufgestellten Spieler anwesend sind.

Die Aufgaben des Schiedsrichters:

  1. Der Schiedsrichter achtet auf strikte Einhaltung der Schachregeln.
  2. Der Schiedsrichter sorgt für faires Spiel und dafür, dass die Spieler nicht gestört werden. Im Spielsaal muss Ruhe herrschen!
  3. Der Schiedsrichter setzt Entscheidungen, die er getroffen hat, durch und verhängt in angebrachten Fällen Strafen über Spieler.

Zu den Aufgaben der Schiedsrichter gehören zudem

  1. alle Fragen und Streitfälle vor Ort zu entscheiden,
  2. Partien und Mannschaftskämpfe für beendet zu erklären,
  3. Besonderheiten im Spielbericht zu vermerken,
  4. die Ergebnisse festzustellen und diese entsprechend der TO zu melden.

Ihre Entscheidungen und Maßnahmen während des laufenden Wettkampfes haben unmittelbare Wirkung; mögliche Einsprüche haben keine aufschiebende Wirkung.

Wenn ein Spieler eine Regelwidrigkeit bemerkt, darf er nur den Schiedsrichter benachrichtigen. Er kann zwar auf ein Fehlverhalten hinweisen, aber er muss dem Schiedsrichter die Beurteilung und die Konsequenz daraus überlassen. Es ist nicht Aufgabe des einzelnen Spielers, um Regeln zu streiten. Handelt der Spieler eigenmächtig, kann das als grob unsportlich gewertet werden!

Spieler anderer Partien dürfen nicht über die oder eine andere Partie am Spieltisch reden oder sich auf andere Weise einmischen. Zuschauer dürfen sich nicht in Partien einmischen. Der Schiedsrichter darf die Störer aus dem Turnierareal weisen.

Vorgehensweise als Schiedsrichter:

  1. Verfahrensschema bei Anträgen
    1. beide Uhren stoppen
    2. beide Partieformulare mit der Brettstellung überprüfen
    3. Partiestellung und Uhrenstand notieren
    4. Sachverhalt klären
    5. Welche Regel betrifft der Sachverhalt?
    6. Ist regelwidrig gehandelt worden?
    7. Aussagen von Antragssteller, Gegner, Zeugen
    8. Sind Maßnahmen festgeschrieben (gebunden oder Ermessen)?
    9. Wurde Antrag korrekt gestellt? -- sonst Ablehnung plus 3 Minuten Gutschrift für Gegner
    10. ggf. Rekonstruktion (an separatem Brett)
    11. Festlegung und Verkündung der Entscheidung mit Begründung
    12. Sanktionen
      1. sofortiger Partieverlust bei Handyklingeln oder Telefonieren, Betrugsversuch, Vorsagen durch Mannschaftskollegen
      2. Zeitstrafen bei regelwidrigem Zug (zwei Minuten), unberechtigtem Remisantrag (drei Minuten); Ausnahme von Zeitstrafen: 2 Minuten bei Endspurtphasenantrag
      3. Verhaltensverstöße (nach Ermessen)
  2. In der Zeitnotphase
    1. Mitschreibepflicht bis auf die letzten 5 Minuten der eigenen Bedenkzeit, haben beide Spieler weniger als 5 Minuten, ist ein Assistent einzusetzen
    2. Blättchenfall
      1. Schiedsrichter meldet „Blattfall“,
      2. Schiedsrichter hält Uhr an
      3. Erreichen der 40 Züge wird Spielern nicht mitgeteilt, solange Blättchen nicht gefallen

Der Schiedsrichter kann eine oder mehrere der folgenden Strafen verhängen:

  1. Ermahnung,
  2. Verwarnung,
  3. Verweis,
  4. Zeitstrafen,
  5. Annullierung von Spielergebnissen und Anordnung von Wiederholungsspielen,
  6. Erkennung auf Verlust von Partien,
  7. Kürzung der Punktezahl im Partieresultat der zu bestrafenden Partei,
  8. Erhöhung der Punktezahl im Partieresultat des Gegners bis zur Höchstzahl der in dieser Partie zu erreichenden Punkte,
  9. Ausschluss von der laufenden Runde,
  10. Anordnung, den Spielraum zu verlassen,
  11. Anordnung, den Zuschauerraum zu verlassen.

Die Strafen "Kürzung oder Erhöhung der Punktezahl" wirken bizarr, und es ist tatsächlich kein Anwendungsfall bekannt.

Ist die Strafe eine Ermessensentscheidung oder eine gebundene Entscheidung?
Die Fide-Regeln schreiben u. a. in den Artikeln 7.5 b), 9.5 b), 11.7 und 11.8 dem Schiedsrichter die zu treffende Entscheidung vor, der Schiedsrichter ist somit an die dort vorgesehene Strafe gebunden!

In anderen Fällen besteht ggf. ein Ermessen, welche Strafe in Betracht kommt. Schach-Schiedsrichter sind selten ausgebildeten Juristen, aber die Begriffe "Ermessensnichtgebrauch, die Ermessensüberschreitung und der Ermessensfehlgebrauch" kann jedermann erkennen.

Beispiel: In Artikel 11.3 der Fide-Regeln heißt es: "Während des Spielverlaufs ist es den Spielern verboten, irgendwelche Notizen, Informationsquellen oder Ratschläge zu benutzen oder auf einem anderen Schachbrett eine Partie zu analysieren."

Juristisch würden jetzt die Begriffe "Spielverlauf", "Notizen", "Info-Quellen", "Ratschläge", "Benutzen", "eine Partie" und "Analysieren" erst einmal definiert werden, um dann den Sachverhalt unter den "passenden" Begriff zu subsumieren.

Aber einfach und für den juristischen Laien unter den Schachspielern gilt, beim Sachverhalt gibt es kein Ermessen. Ist der "Tatbestand" des Benutzen fremder Quellen z. B. durch Lesen eines Schachbuchs erfüllt, dann tritt die Rechtsfolge ein. Und erst bei der Rechtsfolge hat der Schiedsrichter zu prüfen, ob er eine (durch die Regeln vorgegebene) "gebundene" Entscheidung treffen muss oder die Wahl hat, eine der möglichen Strafen seinem Ermessen nach zu treffen!

Ein Verbot in den Regeln ist ein Verbot. Jeder Spieler sollte wissen, dass er sich die Eröffnung nicht als Spickzettel aufschreiben oder in einer ausliegenden Enzyklopädie nachlesen darf, geschweige dafür das Handy oder ein anderes Brett zur Stellungsanalyse benutzt.

Jeder Verstoß gegen ein Verbot hat den Partieverlust zur Folge! Denn der Schiedsrichter kann nicht entscheiden, ob das Nachlesen oder Analysieren von Erfolg oder Nichterfolg gekrönt war. Eine "Ermahnung" oder andere Entscheidung als Partieverlust wäre in diesem Fall ein Fehlgebrauch. Denn der Zweck einer Strafe soll beispielsweise in der Wiederherstellung des ursprünglichen, rechtmäßigen Zustandes bestehen und den Partiegegner in seinen Rechten auf regelkonformes Fair Play schützen. Die Strafe muss in diesem Sinn geeignet, erforderlich und angemessen sein, wobei das Ermessen wie in diesem Beispiel faktisch auf Null reduziert wird.

Bei der Strafe ist bei Ermessen die Verhältnismäßigkeit zu beachten. Auch sollten durch Bedenkzeitkürzungen keine unmittelbaren Zeitüberschreitungen herbeigeführt werden. Ich erinnere aber an FIDE Artikel 11.7: Niemand muß sich von einem renitenten Spieler auf der Nase herumtanzen lassen. Wiederholte Unfairness führt zum Partieverlust, auch bei "kleinen" Vergehen!

Es gibt aber Situationen, die sich mit einigen Minuten Zeitstrafe nicht sinnvoll bereinigen lassen. Z. B. Hilfsmittelgebrauch, denn dann ist die Partie kontaminiert und mit Zeitstrafen nicht mehr ins Gleichgewicht zu bringen. Da geht nur Partieverlust. Dasselbe gilt für Störungen eines in Zeitnot befindlichen Spielers, dessen Konzentrationsverlust lässt sich mit den üblichen zwei oder drei Minuten Zugabe nicht sinnvoll ausgleichen. Zudem müssen auch die Zeitpläne von Turnieren eingehalten werden können.

Was heißt "verhältnismäßig"?
Das Verhältnismäßigkeitsprinzip, auch als Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bezeichnet, ist ein Merkmal des Rechtsstaats. Zweck des Grundsatzes ist es, vor übermäßigen Eingriffen in Grundrechte, insbesondere auch in die allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG), zu schützen (daher oft auch Übermaßverbot genannt). Als verfassungsrechtliches Gebot ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gem. Art. 1 Abs. 3, Art. 20 Abs. 3 GG für die gesamte "Staatsgewalt" und somit auch für alle in der Sportgerichtsbarkeit als "Gewalt ausübende Organisation" unmittelbar verbindlich.

Definition:
Verhältnismäßigkeit verlangt von jeder Maßnahme, die in Grundrechte eingreift, dass sie einen legitimen öffentlichen (sportlichen) Zweck verfolgt und überdies geeignet, erforderlich und angemessen ist. Eine Maßnahme, die diesen Anforderungen nicht entspricht, ist rechtswidrig.

  1. Um die Frage nach der Verhältnismäßigkeit einer konkreten Maßnahme beantworten zu können, ist die Feststellung und Benennung ihres Zwecks der erste Schritt. Der Zweck der Maßnahme setzt den Maßstab und Bezugspunkt für die Frage, ob die Maßnahme zur Erreichung gerade dieses Zwecks geeignet, erforderlich und angemessen ist. So liegt etwa auf der Hand, dass der tödliche Schuss aus der Waffe eines Polizisten, um einen um sich schießenden Terroristen auszuschalten, durchaus verhältnismäßig sein kann – der tödliche Schuss mit Ziel, den ertappten 15-jährigen Ladendieb an einer möglichen Flucht zu hindern, dagegen nicht. Ist bereits der Zweck als solcher nicht legitim, ist die Maßnahme bereits deshalb nicht verhältnismäßig ("Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen").
  2. Die Maßnahme ist geeignet, wenn sie die Erreichung des Zwecks kausal bewirkt oder zumindest fördert. Zur Verminderung des Schadstoffausstoßes eines Industriebetriebes etwa ist die Schließung des Betriebes geeignet, aber auch der Einbau einer Rauchgasreinigungsanlage. Nicht geeignet dagegen wäre die Schließung des Unternehmensparkplatzes.
  3. Die Maßnahme ist erforderlich, wenn kein milderes Mittel gleicher Eignung zur Verfügung steht, genauer: wenn kein anderes Mittel verfügbar ist, das in gleicher (oder sogar besserer) Weise geeignet ist, den Zweck zu erreichen, aber den Betroffenen weniger belastet. Die Schließung des o. a. Betriebs ist daher in der Regel nicht erforderlich, weil die Verminderung des Schadstoffausstoßes auch durch die Rauchgasreinigung erreicht werden kann.
  4. Die Maßnahme ist angemessen (auch: verhältnismäßig im engeren Sinn), wenn die Nachteile, die mit der Maßnahme verbunden sind, nicht völlig außer Verhältnis zu den Vorteilen stehen, die sie bewirkt. An dieser Stelle ist eine Abwägung sämtlicher Vor- und Nachteile der Maßnahme vorzunehmen. Dabei sind vor allem verfassungsrechtliche Vorgaben, insbesondere Grundrechte zu berücksichtigen. Geht es beispielsweise um die Frage, ob zur Bekämpfung schwerer Bandenkriminalität die Videoüberwachung von Wohnräumen zugelassen werden soll, ist vor allem das Grundrecht des Überwachten auf Unverletzlichkeit seiner Wohnung gegen das Interesse der Allgemeinheit an der Erhaltung und Verteidigung der Rechtsordnung – mit offenem Ausgang – abzuwägen.

Die Verfahrensordnung des Badischen Schachverbands findet Anwendung auf Proteste, Streitigkeiten und Verfehlungen, die nach den Ordnungen des BSV zu ahnden sind.

Einspruchsberechtigt sind bei Mannschaftskämpfen (nur) der Verein, bei Einzelwettbewerben jeder Spieler, bei sonstigen Streitigkeiten die davon Betroffenen. Einspruch können nur unmittelbar Beteiligte und mittelbar Betroffene (Beschwerte) einlegen.

Entstehen während eines Mannschaftskampfes Meinungsverschiedenheiten, ist der Schiedsrichter zu rufen! Bei allen Mannschaftskämpfen ist stets der Schiedsrichter die erste Instanz. Kein anderer Mannschaftsspieler hat das Recht, ohne Schiedsrichterentscheidung zu urteilen!

Im Zweifel an einer unbefriedigenden Schiedsrichterentscheidung ist es zumindest ratsam, die Partie fortzusetzen. Auf dem Spielbericht wird dann zweckmäßigerweise vermerkt, bei welchem Zug und aus welchem Grund von nun an unter Protest gespielt wird, sowie die jeweils verbrauchte Bedenkzeit der Spieler. Das Fehlverhalten eines Spielers muss immer vom Verein getragen werden.

Ob nach dem Mannschaftskampf ein Protest tatsächlich eingelegt wird, ist mit dem Vereinsvorstand zu klären!

Gegen Entscheidungen des Schiedsrichters kann innerhalb einer Woche schriftlich (E-Mail genügt) mit Begründung Einspruch eingelegt werden. Der Einspruch muss mit Antrag (oder Anträgen) versehen sein. Die Verfahrensgebühr beträgt 50 € (Konto des BSV siehe unten). Der Einspruch ist zu richten

  1. auf Bezirksebene (bis Bezirksklassen) an den zuständigen Bezirksturnierleiter (Bernd Waschnewski, rtl4(at)badischer-schachverband(dot)de),
  2. auf regionaler Ebene (Landesligen, Bereichsligen) an den zuständigen regionalen Turnierleiter (Bernd Waschnewski, ...).

Die Regional- bzw. Bezirksturnierleiter entscheiden u. a. über Einsprüche in Mannschaftskämpfen. Einsprüche sollen innerhalb von 4 Wochen entschieden werden.

Gegen Entscheidungen der Regional- bzw. Bezirksturnierleiter ist Widerspruch bei der Widerspruchsstelle zulässig. Der Widerspruch ist innerhalb einer Woche ab Zugang der Entscheidung schriftlich (E-Mail genügt) bei der Widerspruchsstelle (Dr. Matthias Kleifges, Tel. 0175-2281431, E-Mail: matthias(dot)kleifges(at)kit(dot)edu) einzulegen und zu begründen. Gleichzeitig ist die Verfahrensgebühr in Höhe von 100 € auf das Konto des BSV (Baden-Württembergische Bank Lörrach, Konto-Nr.: 743 5500 109, BLZ: 600 501 01, IBAN: DE50 6005 0101 7435 5001 09, BIC: SOLADEST600) zu überweisen.


Was heißt "Fair Play" im Schach und gibt es dafür eine Regel?

"Fair Play" ist ein vielschichtiger Begriff der Selbstkontrolle, der ein bestimmtes sportliches Verhalten kennzeichnet, das über die bloße Einhaltung von Regeln hinausgeht. Es beschreibt eine Haltung des Sportlers, und zwar die Achtung des bzw. den Respekt vor dem sportlichen Gegner sowie die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit. Der sportliche Gegner wird als Partner gesehen oder zumindest als Gegner, dessen Würde es zu achten gilt, selbst im härtesten Kampf.

Fairplay gebietet: die Anerkennung und Einhaltung der Wettkampfregeln, den partnerschaftlichen Umgang mit dem Gegner, auf gleiche Chancen und Bedingungen zu achten, das Gewinnmotiv zu „begrenzen“, Haltung in Sieg und Niederlage zu bewahren.

Fair Play ist eine Art zu denken, nicht nur eine Art des Verhaltens. Es zielt auf die Beseitigung von unlauteren Tricks, offener und versteckter Gewalt und Betrug ab. Ethische und tugendhafte Begriffe werden synonym gebraucht: Fairness, Anstand, Anständigkeit, Aufrichtigkeit, Ehrenhaftigkeit, Gerechtigkeit, Kameradschaftlichkeit, Kollegialität, Korrektheit, Lauterkeit, Rechtschaffenheit, Redlichkeit, Ritterlichkeit, Sauberkeit, Schicklichkeit, Sportgeist, sportliche Gesinnung, Untadeligkeit.

Die Fide-Regeln besagen in Artikel 11: Die Spieler dürfen nichts unternehmen, das dem Ansehen des Schachspiels abträglich sein könnte. Und in Artikel 12 heißt es: Der Schiedsrichter sorgt für faires Spiel und handelt im besten Interesse der Veranstaltung. Im Vorwort der Fide-Regeln steht: Eine allzu detaillierte Regelung könnte dem Schiedsrichter die Entscheidungsfreiheit nehmen und ihn somit daran hindern, eine sportliche, logische und den speziellen Gegebenheiten angemessene Lösung zu finden.

Bei dem WM-Sieg 2006 von Wladimir Kramnik gegen Wesselin Topalow hatte es mächtig Ärger gegeben, nachdem in der Toilette, dem einzigen Raum ohne Videobewachung, ein Computerkabel gefunden worden war, das aus der Deckenverkleidung hing. „In den ersten Partien ist Kramnik über vierzig Mal in die Toilette gegangen. Fast einmal pro Zug. Und seine Züge stimmen mit denen von ,Fritz‘ überein“, beschwerte sich Topalow damals. Seitdem vermeiden beide Seiten inklusive ihrer Adjutanten das Händeschütteln vor den Partien, was das Fide-Präsidium am 25. Juni 2007 veranlasste, die Schiedsrichter dahingehend anzuweisen, wer auch nach Aufforderung durch den Schiedrichter das Händeschütteln verweigert, verliert sofort die Partie, so z. B. im Spiel Nigel Short gegen Ivan Cheparinov.
Das sind die Fide-Vorgaben für ein sportlich faires Schachspiel, alle Spieler haben diesen Grundsatz zu verinnerlichen!

Die Deutsche Schachjugend hat zu dem Thema einen Fairplay-Kodex und ein von der Jugendversammlung verabschiedetes Fairplay-Positionspapier erstellt, das als beispielhaft für den gesamten Schachsport gilt.

„So gewinnt man nicht“, sagte ein Jugendleiter und meldete die Partie seines Schützlings bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft als verloren. Zwar hatte der Schüler soeben die Dame seines Gegners erobert, aber als Mannschaftsführer der Grundschule aus Berlin war ihm nicht entgangen, dass ihm ein Mitspieler den entscheidenden Zug vorgesagt hatte. Jetzt bekommt der Jugendleiter den Fairplay-Preis der Deutschen Schachjugend (DSJ). Die Geste des Jugendleiters sei „eines der besten Beispiele für Fairplay und den Einsatz für die Werte des Schachsports“, meldet die DSJ.

1976 schrieb der englische IM William Hartston sein wunderbares Buch „Wie man beim Schach bescheißt“ („How to cheat at chess“). Zwei Jahre später stritten die Herren Karpov und Kortschnoj neben dem höchsten Titel im Schach um Geheimbotschaften im Joghurtbecher und eine radioaktiv strahlende Sonnenbrille. Seitdem hat das Schach rasant an Unschuld verloren.

Hartstons gesammelte Episoden können wir heute ebenso als Folklore abtun wie Karpovs und Kortschnojs gegenseitige Betrugsvorwürfe. Die erkleckliche Zahl an elektronischen Betrügereien ist dagegen ein akutes Problem. Seit Mobiltelefone besser spielen als Großmeister ist die Versuchung groß und die Zahl derer, die ihr erliegen, auch, Dunkelziffer unbekannt. Wäre eine Kultur des Fairplay schon beim Kinderschach etabliert, würden womöglich weniger Erwachsene Engine-Doping versuchen.

Betrug mittels elektronischer Hilfe ist zwar der schlimmste Auswuchs fehlender sportlicher Haltung, aber nicht die Hauptstoßrichtung der DSJ-Fairplay-Initiative. In Bremen besprachen die aus der Hansestadt und Niedersachsen angereisten Teilnehmer praktische Fälle, die schwerlich allein per Paragraph zu regeln sind:

Was tun, wenn der Gegner Dein Remisangebot annimmt, aber seine Zeit abläuft in dem Moment, als er die Hand übers Brett reicht?

Was tun, wenn vor dem sportlich bedeutungslosen Mannschaftskampf in der letzten Runde der Saison der gegnerische Mannschaftsführer anruft und ein kampfloses Unentschieden anbietet?

Was tun, wenn Dir in der letzten Runde des Turniers ein Freund gegenübersitzt, dem ein Partiegewinn den Turniersieg sichern würde?

Solche und andere Entscheidungen wären für Beteiligte, die eine Fairplay-Kultur verinnerlicht haben, leichter zu treffen.

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